Bamse - Der liebste und stärkste Bär der Welt

In Schweden kennt jedes Kind den knuddeligen und gerechtigkeitsliebenden Bamse-Bär. Dafür sorgen seit rund 50 Jahren eine Fernsehserie, ein Kindermagazin und allerhand Merchandising inklusive Themenpark. 2014 lief folgerichtig ein erster Bamse-Zeichentrickfilm in den schwedischen Kinos, der Weihnachten 2017 auch deutsche Leinwände erreicht. Die Chancen, dass der populäre Cartoonheld nach einer Idee des Zeichners Rune Andréasson hierzulande neue Fans gewinnt, stehen ganz gut. Denn „Bamse - Der liebste und stärkste Bär der Welt“ ist ein zwar unverhohlen didaktischer, dafür aber rundum charmant umgesetzter Kinderfilm alter Schule.

Obelix hat seinen Zaubertrank, Popeye seinen Spinat und Bamse seinen Donnerhonig. Die magische Süßspeise nach einem Rezept der Großmutter verleiht dem kleinen Braunbären enorme Kräfte. Seine Heldenpower nutzt der Blaumann-tragende Bamse natürlich allein zum Wohl der Waldgemeinschaft, getreu dem Motto: „Wozu hat man Donnerkräfte, wenn man sie nicht einsetzt, um anderen zu helfen?“
 
Dank Bamses rechtschaffener Tatkraft leben alle Tiere des Waldes in sorgloser Eintracht. Bis der Ex-Meisterdieb Reinhart Fuchs die verhinderten Diebe aus dem „Knallharte Kerle-Club“ gegen Bamse aufwiegelt. Die Banditen entführen Bamses Oma, damit der Held ohne Donnerhonig dasteht, und starten neue Raubzüge, um möglichst viele Süßigkeiten zu horten. Doch Bamse bekämpft das Unrecht auch ohne Zauberkraft und bricht entschlossen zur Räuberstadt im Trollwald auf. An seiner Seite stehen das ängstliche Kaninchen Hopser und der erfinderische Herr Schildkröte.
 
Stilistisch erinnert der „Bamse“-Kinofilm an die „Gummibärenbande“. Regisseur Christian Ryltenius (Animator beim „Käpt'n Blaubär“-Film) arbeitet mit verschiedenen Lichtstimmungen, die etwa den heimischen Wald vom mysteriösen Trollwald unterscheiden. Die Hauptfigur Bamse wirkt mit seinem gelben Fell wie ein Wiedergänger des in Deutschland bekannten Bussi-Bär und strahlt viel Liebenswürdigkeit aus.
 
Das Trickabenteuer enthält einige klar kommunizierte pädagogische Botschaften. Ein wichtiger Nebenplot dreht sich um den kleinen schwarzen Wolf, der seiner diebischen Vergangenheit abgeschworen hat und sich nun als Außenseiter empfindet. Eine Passage in Bilderbuchoptik rekapituliert, wie er als Findelkind unverschuldet ins Diebesmilieu abrutschte. Vom Fuchs auf eine falsche Fährte gelockt, vermutet der Wolf, dass Bamse ihm die Räuberkarriere nicht verzeiht. Aber dem ist natürlich nicht so. Für derlei Vorurteile ist Bamse viel zu fair. „Wenn man sich ausgeschlossen fühlt, kommt man auf dumme Gedanken“, erklärt er dem geknickten Wolf – und reicht ihm freundschaftlich die Hand.
 
Die Abenteuerszenen des nur 63-minütigen Trickfilms fallen so kindgerecht aus wie die übersichtlich gegliederte Handlung. Auch wenn Bamse mal in Gefahr schwebt, überfordert das Geschehen das Zielpublikum nie. Ein Märchenonkel liefert Erklärungen aus dem Off und resümiert wichtige Wendepunkte der Geschichte. Immer eins nach dem anderen, ohne Hektik: „Beeilen ist das unfreundlichste Wort, das ich kenne,“ findet Herr Schildkröte – und beschreibt damit auch die entschleunigte Erzählweise des Films.

Schweden 2014
Regie: Christian Ryltenius
Drehbuch: Johan Kindblom, Tomas Tivemark; nach Charakteren von Rune Andréasson
Sprecher/innen (OV): Peter Haber, Morgan Alling, Steve Kratz, Magnus Härenstam, Leif Andrée, Tomas Bolme, Shebly Niavarani
Laufzeit: 63 Min.