Frank Zappa

Er gehört zu den prägendsten, meistzitierten Musikern des letzten Jahrhunderts, bewundert für seine Kompositionskunst und gefürchtet wegen seiner satirischen Texte: Frank Zappa. Im Laufe seiner rund 30-jährigen Karriere gab es kaum ein musikalisches Gerne, in dem Zappa sich nicht versuchte. 1993 starb er mit nur 52 Jahren an Krebs. Die aus unzähligen, zum Teil sehr seltenen Interview- und Konzertschnipseln bestehende Doku „Eat that Question“, setzt dem Tausendsassa und Workaholic ein würdiges filmisches Denkmal. Seine Persönlichkeit und sein Charakter werden greifbar, seine musikalischen Fähigkeiten hörbar.

„Eat that Question“ widmet sich mit Frank Zappa einem der stilprägendsten Rockmusiker des 20. Jahrhunderts. Der 1940 geborene Autodidakt, Multi-Instrumentalist und Komponist erregte in den 60er-Jahren mit seiner Band „The Mothers of Invention“ erstmals größere Aufmerksamkeit. Ihre Musik ließ sich nur schwer einem Genre zuordnen und schon damals fiel Zappa mit seinen gesellschaftskritischen, satirischen Texten auf – Dinge, denen er bis zu einem frühen Krebstod 1993 treu blieb. Im Mainstream und bei den Radiostationen blieb Zappa lange Zeit ein Geheimtipp, bis ihm 1979 mit „Bobby Brown“ einer seiner wenigen, kommerziell erfolgreichen Top-Hits gelang. „Eat that Question“ vermengt legendäre Interviews und Konzertszenen zu einem Porträt über den streitbaren Künstler.
Regisseur Thorsten Schütte wühlte sich in mühevoller Kleinarbeit durch die vergessenen Archive von Fernsehsendern und auch den Zappa-Archiven, um diesen Film zu kreieren. Schütte ist seit mehr als zwei Jahrzehnten im Dokumentarfilm zuhause und hatte für „Eat that Question“ den Segen der Zappa-Hinterbliebenen, u.a. auch von dessen beiden Kindern. Seit jeher ist er fasziniert von musikhistorischen, gesellschaftlichen und politischen Inhalten. In seinem neuen Film – in dem nur der Musiker selbst zu Wort kommt – konnte Schütte all diese Themen in einem Werk vereinen.
„Frank Zappa – Eat that Question“ ist eine aufwendige, liebevoll montierte Doku, die sich aus unzähligen kurzen Szenen und damit vielen kleinen Mosaikstücken zusammensetzt. Das Besondere und was den Film auch von vielen „klassischen“ Porträts unterscheidet: er folgt keiner Chronologie und es kommt lediglich der Meister selbst zu Wort. Keine Weggefährten, Freunde, Verwandte etc., sind zu hören oder zu sehen. Dies erklärt auch den Untertitel der Dokumentation „Frank Zappa in his own words“. Der Film überzeugt mit Mitschnitten aus allen Phasen von Zappas Karriere: von raren Bühnen-Impressionen aus der ersten Phase der „Mothers of Invention“ aus den späten 60ern bis hin zu Aufnahmen, die ihn bei seiner letzten Tour 1988 zeigen sowie in den frühen 90ern. In diesen letzten Lebensjahren (1990 – 1993), widmete sich Zappa vor allem der orchestralen Musik.
Zwei Dinge macht der Film unmissverständlich klar: zum einen, dass Frank Zappa ein musikalischer Tausendsassa war, dessen Fähigkeiten längst nicht nur auf Rock und Pop beschränkt waren. Der nimmermüde Künstler (er soll an die 100 Alben veröffentlicht haben) widmete sich im Laufe der Karriere u.a. den Gattungen Klassik, Jazz, experimentelle Musik, Doo Wop und Proto-Pop. Seine Stücke waren zumeist hochkomplex, collagenartig zusammengesetzt und voller Zitate aus der Musik- und Popkultur-Geschichte. Das machen die kraftvollen, impulsiven Szenen auf den Konzertbühnen, die reihenweise im Film zu sehen sind, deutlich. Ebenso wie die Tatsache, dass Zappa Zeit seines Lebens ein virtuoser Gitarrist mit herausragenden Fähigkeiten am Instrument, war. Und zum anderen zeugen die Interviewschnipsel von Zappas‘ Sarkasmus, Wortgewandtheit und Intelligenz sowie seiner Abneigung gegen politische Sittenwächter, konservative Moralisten und religiöser Fanatiker.
Dass er auch im Angesicht des Todes seinen schwarzen Humor nicht verloren hatte, beweisen Szenen aus einem der letzten Interviews. Es entstand Anfang der 90er-Jahre, nur rund ein Jahr vor seinem Tod und zeigt einen gesundheitlich schwer angeschlagenen Zappa, dessen Prostatakrebs zehn Jahre lang unentdeckt wachsen konnte. Befragt, ob es ihm wichtig sei, für etwas Bestimmtes bei den Menschen in Erinnerung zu bleiben, antwortet Zappa: „Nein, es ist mir nicht wichtig, in Erinnerung zu bleiben. Das ist nur solchen Typen wie Reagan und Bush wichtig. Sie investieren viel Geld und Arbeit um sicher zu gehen, dass diese Erinnerung phänomenal ist.“ Würde Zappa diesen Satz heute, im Jahre 2016 sagen, würde er sicher auch noch den Namen Trump erwähnen. 

Deutschland, Frankreich 2015
Regie: Thorsten Schütte
Drehbuch: Thorsten Schütte
Länge: 90 Minuten