Imbiss Spezial + Wozu denn über diese Leute einen Film?
Kunstfest Weimar 2026 – Retrospektive Thomas Heise
Im Rahmen des Kunstfestes zeigen wir eine Retrospektive zu den Filmen von Thomas Heise (1955 - 2024). Heises Filme zeichnen sich durch lange Gespräche, klug ausgewählte Bilder und die Offenheit aus, die eigene Sicht konsequent herauszufordern. Persönliche Geschichten werden mit deutscher Geschichte enggeführt und werfen als dokumentarische Zeugnisse noch heute wesentliche Fragen zu den Umbrüchen in (Ost-)Deutschland auf.
IMBISS-SPEZIAL (Kurzfilm)
Der vierte Kurzfilm stammt von Thomas Heise und fokussiert auf die untere Halle des Bahnhofs Berlin-Lichtenberg in der Zeit kurz vor der Auflösung der DDR, Anfang Oktober 1989. Genauer geht es um die Arbeit der Kollegen von „Imbiß Spezial“ zur Versorgung all jener, die unterwegs sind. Vor dem Hintergrund steter amtlicher Erfolgsmeldungen und Verlautbarungen gerinnt die Zeit zu einem Warten auf das Ende. Damit sind Heises Beobachtungen nicht weniger als eine wahrnehmbare Spur der Geschichte
DDR 1990, 27 min, FSK o.A., R: Thomas Heise
WOZU DENN ÜBER DIESE LEUTE EINEN FILM? (Kurzfilm)
Ost-Berlin, Prenzlauer Berg am Wasserturm: im Jahr 1980 war hier noch ein sozialer Brennpunkt. Einem Freund des Regiestudenten Thomas Heise wird in diesem Umfeld sein Motorrad gestohlen. Statt die Polizei einzuschalten, tauchen der Bestohlene und der angehende Filmemacher selbst in die „Szene“ ein, um die Täter zu finden. Dabei stößt Heise auf zwei Brüder, die offenbar in den Vorfall verwickelt sind. Schon bald sitzt er mit ihnen in Kneipen und im Wohnzimmer ihrer Mutter, erfährt durch die Kamera hindurch ihre Lebensgeschichten und begleitet sie durch ihren Alltag. Das Resultat ist Heises erster Film mit eigenständiger Handschrift. Er bietet bis heute einen eindrucksvollen Einblick in das sonst kaum beachtete kleinkriminelle Milieu im Ost-Berlin der 1980er Jahre.
DDR 1980, 33 min, FSK o.A., R Thomas Heise