Leif in Concert – Vol.2

Ein Tag im Leben einer Kneipe. Menschen kommen und gehen, trinken und rauchen, erzählen dies oder jenes, hören der Musik zu oder starren einfach in die Luft. Von all dem und mehr erzählt Christian Klandt in seinem Film „Leif in Concert – Vol. 2“, der keine Fortsetzung ist, dafür ein buntes Potpourri aus Szenen und Situationen, manche mehr, andere weniger gelungen.

Am Morgen radelt Lene (Luise Heyer) zu ihrem Job: Sie schmeißt die Kneipe von Klaus (Klaus Manchen), eine Kellerbar irgendwo zwischen gemütlich und vergammelt. Acht Monate war Lene wegen Liebeskummer verschwunden, nun steht sie wieder hinterm Tresen und auch vor einer wichtigen Entscheidung: Soll sie die Bar übernehmen oder nicht?

An diesem Abend steht jedenfalls erst einmal ein Konzert an: Der dänische Sänger Poorboy hat sich angekündigt, doch dummerweise hat niemand bemerkt, das Gründonnerstag ist und da sind Konzerte und Musikveranstaltungen verboten. Doch nicht nur mit der Frage, ob das Konzert statt finden soll oder nicht, muss sich Lene herumschlagen, im Lauf des Tages kommen unzählige Personen vorbei: Ein betrügerischer Getränkelieferant, ein Weinvertreter, eine Oma plus Enkel, die auf der Suche nach einer Toilette ist, später dann ein Toilettenreparaturdienst und viele andere.

Immer wieder unterbrechen musikalische Einlagen Lenes Arbeitsrhythmus, denn sie lässt Freunde und Bekannte auf der kleinen Bühne der Bar proben: Von modernem Tanz über eine Spoken Word Performance ist alles dabei und am Abend steht das große Konzert an.

Einen Film mit Freunden wollten Regisseur und Autor Christian Klandt und sein Produzent Martin Lischke mit „Leif in Concert – Vol. 2“ drehen und das ist ihnen gelungen. Als strukturierendes Element wurde dafür konsequenterweise das Prinzip Nummernrevue gewählt: Allein die Kneipe und Luise Heyer als Barfrau sind kontinuierlich zu sehen, alle anderen haben meist nur kurze Auftritte. Das ermöglicht es zwar, Schauspieler wie Godehard Giese, Maryam Zaree oder Tilo Prückner, Regisseure wie David Wnendt und Tom Lass, den Musiker Bela B. oder den Forensiker Mark Benecke auftreten zu lassen, die Folge ist aber auch, dass das Ergebnis Stückwerk ist.

Szenen, die in der Kneipe spielen, vor allem die Auftritte auf der Bühne, entstehen noch weitestgehend organisch, im Zusammenspiel mit Luise Heyers Lene. Etliche andere kurze Schnipsel wirken dagegen willkürlich und ohne Zusammenhang. Es mag für die Produzenten ein Anliegen gewesen sein, auch diese Freunde und Wegbegleiter Teil ihres Films werden zu lassen, als Zuschauer fühlt man sich dagegen oft wie ein zu später Besucher auf einer Party, bei der alle sich kennen und man selbst außen vor bleibt.

Wie viel Vergnügen „Leif in Concert – Vol. 2“ letztlich bereitet, hängt in erster Linie davon ab, wie sehr der einzelne Zuschauer Freude an typischer Kneipen-Kultur hat: abhängen, gammeln, den Unterhaltungen angetrunkener Menschen zuzuhören, die für Außenstehende recht befremdlich wirken. Zusammengehalten wird der deutlich zu lang geratene Film am Ende von einigen hübschen Gastauftritten und Luise Heyer, die dem Geschehen ein emotionales Zentrum verleiht, das ansonsten etwas zu kurz kommt.

Deutschland 2019
Regie & Buch: Christian Klandt
Darsteller: Luise Heyer, Klaus Manchen, Michael Klammer, Godegard Giese, Jüle Böwe, Tilo Prückner,
Länge: 115 Minuten




Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Akzeptieren