Spider Murphy Gang

Sie bildete die Speerspitze der Neuen Deutschen Welle und gehörte Anfang der 80er-Jahre zu den erfolgreichsten Bands hierzulande: die Spider Murphy Gang. Die Musik-Doku „Glory Days of Rock’n’Roll“ arbeitet detailliert und informativ die Historie einer Gruppe auf, deren Hits („Skandal im Sperrbezirk“) bis heute fester Bestandteil jeder 80er-Jahre- und Fastnachts-Party sind - und deren Bandmitglieder ebenso die Schattenseiten von Ruhm und Reichtum erlebten.

Im Jahr 2017 feierte die Münchner Band Spider Murphy Gang ihr 40-jähriges Bestehen und ging auf große Geburtstags-Tournee. Die Jahrzehnte seit der Gründung waren ereignisreich und vielseitig: Gestartet als bajuwarische Rock’n’Roll-Combo startete die Gruppe um Sänger und Bassist Günther Sigl ihre Karriere Ende der 70er-Jahre in kleinen Clubs. Im Fahrwasser der Neuen Deutschen Welle gelang ihr ab 1981 mit Songs wie „Skandal im Sperrbezirk“ und „Wo bist du“ eine Reihe von Top-Ten-Hits. Es folgten Jahre des durchschlagenden Erfolgs, vor allem im deutschsprachigen Europa. Mitte der Achtziger Jahre ließ der kommerzielle Erfolg allmählich nach - und die Bandmitglieder gerieten in schwere Krisen.

In „Glory Days of Rock’n’Roll lassen die Musiker ihren Werdegang und entscheidende Stationen ihrer bewegten Karriere Revue passieren. Frühere wie aktuelle Bandmitglieder standen Regisseur Jens Pfeifer dafür Rede und Antwort. Für Pfeifer ist es der erste Film seit der Dokumentation „Phoenix in der Asche“ (2011). Der gebürtige Hagener ist studierter Ethnologe und Jurist.

„Glory days of Rock’n’Roll“ beginnt ebenso temporeich und schweißtreibend, wie es die von Größen wie Chuck Berry oder Jerry Lee Lewis beeinflusste Musik der „Spideys“ seit jeher war: Regisseur Pfeifer wechselt stilsicher zwischen jüngeren Auftritten während der Jubiläumstour und Konzertszenen aus den 80er-Jahren. Die Übergänge sind fließend. Die akkurate, punktgenaue Montage sorgt dafür, dass die pulsierenden Live-Impressionen gekonnt und harmonisch ineinander übergehen. Über den gesamten Zeitraum des Films bildet der Blick in die Vergangenheit mit den Szenen aus der Gegenwart eine Einheit.

Und Pfeifer nimmt sich Zeit für seine musizierenden Protagonisten. Zeigt sie beim Durchstöbern der Plattensammlung, beim Besuch der alten Wirkungsstätten in Schwabing und lässt sie über die eigenen Schwächen sowie vergangene Fehler sinnieren – ganz ohne Verklärung oder übertriebene Wehmut. Und die Bekenntnisse der Musiker haben es durchaus in sich. Etwa wenn Gitarrist und Gründungsmitglied Barny Murphy darüber spricht, wie er sich vom schnellen Geld Anfang der 80er eine entsprechend kostspielige Immobilie zulegte – die er wegen horrender Steuerschuld nur wenig später wieder verkaufen musste. Oder der ehemalige Schlagzeuger Franz Trojan, der der Band bis 1992 angehörte. Ehrlich und direkt berichtet er von seinem zunehmenden Drogen- und Alkoholkonsum, der letztlich zum Rauswurf führte. Trojan gibt offenkundig zu: Er wurde von Geltungssucht sowie Egozentrik geleitet und hielt seinen teuren Lebensstil trotz steigender Schulden aufrecht.

Doch auch die Musik kommt nicht zu kurz. Der Film zeigt die Spider Murphy Gang bei verschiedensten Auftritten in Deutschland und Europa, bietet seltene Demo-Aufnahmen aus der Anfangszeit und weckt nochmals Erinnerungen an einen Sound, den es so in dieser Form bis dato nicht gab. Handgemachter, treibender Rock’n‘Roll mit extrem bissigen Texten, vorgetragen in bayerischer Mundart. Die großen NDW-Klassiker wie „Schickeria“ und „Ich schau‘ dich an“ sind dabei ebenso zu hören wie unbekanntere Album-Tracks und Fan-Lieblinge.

Deutschland 2019
Regie: Jens Pfeifer
Darsteller: Günther Sigl, Barny Murphy, Franz Trojan, Michael Busse
Länge: 86 Minuten




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